Leben, Personal, relationships 5

#movingtogether – Ein ehrlicher Chat über Kompromisse, Magie und Liebe

Manchmal sage ich „in meinem Leben passiert nicht viel“, aber eigentlich ist das völliger Unsinn. Im vergangenen Jahr ist ziemlich viel passiert. Umzug, Liebe, Beruf – alles war und ist im Wandel. Die wohl wichtigste Veränderung, zumindest im Privaten, ist die, dass meine Wohnung bald das Zuhause von zwei Menschen seien wird. Ja, mein Freund und ich planen unsere Leben noch enger mit einander zu verbinden und das hat bei mir so einiges an Fragen, Ängsten, Hoffnungen und Meinungen ausgelöst.
Höchste Zeit also mit meiner Freundin Sarah darüber zu quatschen, denn sie lebt schon seit vielen Jahren mit ihrem Freund zusammen und weiß, wovon sie redet. Und da gibt es ja noch euch, meine treuen Follower, die mir auch immer mit Rat und Tipps zur Seite stehen. Also Feuer frei für die erste Folge in meiner neuen #movingtogether – Episode, die in den kommenden Monaten noch so einige Beiträge ans Tageslicht befördern wird. Ob versöhnlich oder verzweifelt, wird sich zeigen.
Sarah und ich haben in der vergangenen Woche, an einem kühlen Nachmittag, einfach drauf los gechattet. Die Nachrichtenwechsel sind nur im Bezug auf Grammatik und Zeichensetzung rückwirkend korrigiert worden, ansonsten sind sie zu 100 Prozent authentisch.

Die Wohnsituation und wichtige Kompromisse 

[16:23, 21.11.2018] Sarah: Habe meinen Schwarztee mit Milch und paar Kekse bereit gestellt. 

[16:24, 21.11.2018] Flora: Mein Kakao ist schon leer, aber hey – egal! Haha. Wie lange lebst du schon mit deinem Freund zusammen und wie habt ihr entschieden zusammenzuziehen?

[16:25, 21.11.2018] Sarah: Puh, wir leben seit August 2014 zusammen – damals war es sehr chaotisch. Mein Opa ist kurz vorher gestorben nach einer sehr plötzlichen Diagnose von Krebs. R. war mein Anker. Ohne ihn hätte ich diese Zeit nicht geschafft und da war es klar, dass wir zusammenziehen wollten. Wir führten ja Jahre lang eine Fernbeziehung und dann kam ich nach Berlin, dann war das mit Opa und dann war es klar, dass wir auch zusammen leben wollen. Es war eine Feststellung von uns beiden – keine großen Diskussionen oder Kompromisse. 

[16:27, 21.11.2018] Flora: So wie du von eurer Beziehung erzählst, habe ich immer schon das Gefühl gehabt, dass ihr einfach füreinander gemacht seid. Ihr geht so rücksichtsvoll miteinander um und dass R. dein Anker ist und du auch seiner, ist wunderschön. Als ihr die Entscheidung dann getroffen habt, seid ihr zusammen auf Wohnungssuche gegangen?

[16:28, 21.11.2018] Sarah: Habe aber bei einer Freundin erlebt, dass sie für sich entschieden hat zusammenzuziehen, aber ihr Freund es gar nicht wollte….daran ist die Beziehung dann zerbrochen. Er wollte was komplett anderes.

[16:29, 21.11.2018] Flora: Das stelle ich mir grauenhaft vor! Bei uns war das auch mehr eine Übereinstimmung. Ich habe das mit „Ich muss dich was fragen…“ eingeläutet und er dann „Du brauchst nicht fragen, ich weiss was du fragen willst und sage ja!“ Man das war so ein schöner Moment.

[16:29, 21.11.2018] Sarah: Ja, wir sind dann gemeinsam auf Wohnungssuche gegangen. Ich: komplett planlos und einfach drauf los gesucht. Hab geschaut, dass die Wohnung hübsch ist und R. war der Vernünftige.

[16:29, 21.11.2018] Flora: Match made in heaven!

[16:29, 21.11.2018] Sarah: hahahahha, S. hat bei dir ja 1A mit Sternchen reagiert. Sehr gut! Find ich super. Ich weiß noch als ich bei dir war vor ein paar Wochen, da haben wir das Thema angeschnitten. Da dachte ich mir schon, dass du das gern möchtest – also das Zusammenziehen. Findet es S. denn schlimm in deine „fertige“ Wohnung zu ziehen?

[16:31, 21.11.2018] Flora: Hahaha – ich hatte Glück. Besonders weil ich soooo aufgeregt war. Für ihn war die Sache aber direkt klar. Jetzt ist er gerade dabei Schritt für Schritt einzuziehen, ohne Zeitdruck. Ich bin gespannt wie das Zusammenleben in meiner Wohnung funktioniert. Du kennst die Situation hier ja.
Zum Glück überhaupt nicht! Ich hätte damit ein totales Problem, aber er nimmt es so an, fühlt sich hier wohl und wird mit Kleidung, Büchern & Co einziehen.

[16:34, 21.11.2018] Sarah: Ich liebe deine Wohnung, aber kann mir vorstellen, dass der offene Raum ohne klare Grenzen auch Probleme bergen kann. Auf lange Sicht, meine ich. Kein „Rückzugsort“ wenn du mit Freundinnen shakern willst, er aber zocken, haha.

[16:36, 21.11.2018] Flora: Ja, total. Die Sicht ist ok, man kann arbeiten ohne den anderen im Bett liegen zu sehen, aber Geräusche kann man eben nicht abschotten. Die Nachteile eines Lofts. Darüber haben wir schon oft gesprochen und wahrscheinlich geht es nur mit Rücksicht.

[16:36, 21.11.2018] Sarah: Ich könnte auch nicht in eine „fertige“ Wohnung ziehen – da sind wir uns ähnlich, hehe. Brauche etwas was ich selber aufbaue. 
Auf jeden Fall Rücksicht. Das ist bei uns auch so.

[16:36, 21.11.2018] Flora: Absolut! Zum Glück hat er mir die Interior-Herrschaft überschrieben, thank god.

[16:36, 21.11.2018] Sarah: Viel Reden und auch ehrlich sein, wenn man gerade keinen Bock auf Besuch hat. 

[16:38, 21.11.2018] Flora: Das ist wichtig. Ich bin ja in Streitsituationen eher von der Sorte „Aussitzen“ oder „Ausschweigen“ – das ist auf lange Sicht tödlich. Ich muss mich daran gewöhnen über Dinge, die mich stören zu reden.

[16:38, 21.11.2018] Sarah: Manchmal wird man dann sauer, aber Zusammenziehen heißt auch auf den anderen eingehen und sich selbst zurückstellen.

 

Magie und Selbstständigkeit 

[16:38, 21.11.2018] Flora: Und was sind für dich die größten Vorteile, die schönsten Seiten?

[16:39, 21.11.2018] Sarah: Aussitzen und Ausschweigen – schwierig. Das wirst du aber von dir aus ändern. Man ist so eng verbunden, da ändern sich manche Eigenarten von allein.
Die schönsten Seiten…Vielleicht erkläre ich das besser mit einer Situation:
Gestern bin ich nach einem langen Tag von der Arbeit nach Hause gekommen und am Türknauf war ein kleines Post-it mit einem Panini Sticker von Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen mit Tesa dran geklebt. R. hat eine kleine Schnitzeljagd für mich zu Hause konzipiert. 

[16:41, 21.11.2018] Flora: OMG!!!! Das habe ich auf Instagram gesehen und es war so süß!

[16:41, 21.11.2018] Sarah: Das macht er manchmal einfach so, egal ob es mir gut oder schlecht geht. Einfach naja … um mich glücklich zu machen.

[16:42, 21.11.2018] Flora: Das ist Liebe. Aufmerksame Kleinigkeiten, die den Alltag erhellen.

[16:42, 21.11.2018] Sarah: Die ganzen Clues, die er dann vorbereitet, zeigen mir immer wie sehr wir zusammengewachsen sind. Aber auch wie verscheiden wir denken Fragen und Aufgaben, die er für easy hält, sind für mich knifflig. Das hat mich einfach glücklich gemacht – es zeigt, dass wir zusammengehören, aber zwei eigene Personen sind. Sich selbst in einer Beziehung verliehen, das ist für mich der Horror. 

[16:43, 21.11.2018] Flora: Bei euch ist das ja auch so wie bei uns: Kreatives Hirn trifft auf Mathematiker Hirn.
 Das finde ich unglaublich wichtig! Ich beäuge Paare kritisch, die alles zusammen machen, keine eigenen Freunde mehr haben und immer aufeinander hängen. Das wäre nichts für mich.

[16:46, 21.11.2018] Sarah: Die, die immer auf einander hängen…Horror. Für mich zumindest. Da geht jegliche Magie flöten. Man kennt sich in und auswendig.

[16:47, 21.11.2018] Flora: Absolut. Und Magie, Leidenschaft, braucht jede Beziehung – zumindest für mich. Wie habt ihr das nach elf Jahren Beziehung geschafft, das Va-Va-Vo aufrechtzuerhalten?

[16:47, 21.11.2018] Sarah: Va-Va-Vo – Sex and the City klingelt in meinen Ohren. Weiß nicht was ich von der Folge halten soll. 

[16:47, 21.11.2018] Flora: Of course! Was stört dich?

[16:49, 21.11.2018] Sarah: Das wird so aufgebauscht mit dem Va-Va-Vo. Unbedingt Magie kreieren. Es muss besonders sein…. und übersieht dann die echte Magie in den kleinen Dingen.

[16:49, 21.11.2018] Flora: Ah, jetzt weiss ich worauf du hinaus willst. Also für mich bedeutet Magie sich aufeinander zu freuen, auch wenn man sich das letzte Mal vor vier Stunden gesehen hat, kleine Notizen füreinander zu schreiben oder sich etwas vorzulesen. Ich liebe diese Momente. Die dürfen auch nicht aufhören, wenn wir zusammen leben.

[16:51, 21.11.2018] Sarah: Man muss für sich selbst wissen, was magisch ist. Sich selbst auch öffnen. Man kreiert Magie nur durch Vertrauen. Dann weiß man wie man den anderen überraschen/glücklich machen kann, wirklich im Herzen berührt. Für Vertrauen muss man sich öffnen, und genau da liegt die Krux; Ich habe das Gefühl, viele Menschen öffnen sich nicht gerne dem anderen genüber. Denn es bedeutet sich etwas einzugestehen. Auch negatives. Man macht sich verletzlich
Perfekt zusammengefasst. Ich erinnere mich an eine kleine Notiz im Kühlschrank von S., die er dir mal hinterlassen hat. Fand ich so schön. Hab mich richtig mitgefreut.

[16:54, 21.11.2018] Flora: Ja, so etwas macht er oft. Oder erzählt mir abends von einer Feenwelt, die er sich ausgedacht hat, damit ich besser einschlafen kann. Das macht mich froh. Die Verwundbarkeit, die man sich eingesteht, wenn man liebt, ist beängstigend aber du hast recht, nur damit funktioniert es. Man muss sich öffnen, damit Vertrauen entstehen kann.

[16:56, 21.11.2018] Sarah: Ohhhh, ich mag S. immer mehr.
Habt ihr schon einen Putzplan oder einen allgemeinen Haushaltsplan?

Arbeitsteilung und Streit

[16:56, 21.11.2018] Flora: Also ich hoffe eigentlich darauf, dass wir alles machen. Heißt: Wer Zeit hat und Arbeit sieht, erledigt sie. Das ist allerdings ein sehr optimistischer Ansatz befürchte ich….Ich bin schlecht darin zu dirigieren oder Vorschriften zu machen.

[16:56, 21.11.2018] Sarah: Vielleicht gibt es ja etwas, was du lieber machst als S. Dann könnt ihr das aufteilen. Ich mag so richtig putzen, wohingegen R. eher Wäsche mag und bügeln, haha. Klingt banal, aber so teilt man das auf und keiner ist sauer weil der andere mehr macht.
 Es sind keine Vorschriften, liebe Flora, sondern geteilte Arbeit. Die sagenumwobenen Kompromisse. 

[16:59, 21.11.2018] Flora: Ein kluger Einwand – ich neige dazu immer alles zu machen, glaube ich. Aber das geht auf Dauer nicht. Vielleicht müssen wir das also doch, ein paar feste Rollen verteilen, damit ich nicht Boss Babe und Vollzeithausfrau werde. Da habe ich keinen Bock drauf.

[16:59, 21.11.2018] Sarah: Nee, haste nicht. Glaub mir. Hab ich nämlich auch nicht, haha. Dazu hat man keine Zeit auf lange Sicht – mit Arbeit und Uni und Leben. Manchmal muss der andere einfach auch Staub wischen

[17:01, 21.11.2018] Flora: Absolut. Wie hält man denn einen Streit aus, wenn man in einer Wohnung sitzt? Ich meine, ich kann eigentlich gar nicht streiten, aber wenn es dann doch mal soweit kommt… 

[17:02, 21.11.2018] Sarah: Hahaha, die Hauptgewinn-Frage! Keine Ahnung, ich will am liebsten gleich Sachen packen und abhauen – geht natürlich nicht.  Ich wussele dann immer in einem anderen Raum rum, bis ich mich traue das Problem anzusprechen. Bei meiner Geduld dauert das so 20-30 Minuten, die mir dann wie fünf Stundenvorkommen. In der Zeit habe ich auch schon richtig schlimme Szenarios in meinem Kopf ausgemalt. 

[17:03, 21.11.2018] Flora: Während ich drei Tage schweige .

[17:04, 21.11.2018] Sarah: das könnte ich nie. Drei Tage – da würde ich platzen. Oft sage ich aber konkret, dass ich gerade Angst und Kummer habe und denke wir trennen uns, dann fangen wir an zu reden. Doof, oder?

[17:05, 21.11.2018] Flora: Nein, überhaupt nicht! Nur ehrlich, das ist nie doof. Das Reden hat doch dann immer geholfen, oder?

[17:06, 21.11.2018] Sarah: Immer. Seit 11 Jahren. 

[17:06, 21.11.2018] Flora: Und das ist eine lange Zeit. Findest du nach einem Jahr zusammen leben zu schnell?

[17:07, 21.11.2018] Sarah: Manchmal ist es dann schlimmer und wir streiten und sind dickköpfig, aber…am Ende geht es darum sich einzugestehen was man möchte: Ist es ein Grund sich zu trennen? Kann man damit leben wie der andere ist? Versteht der andere überhaupt, worum es geht? Wenn nicht dann noch einmal erklären bis die Worte passen. 
Nee, wieso? Ist doch ein Jahr und ihr seid an einem anderen Punkt im Leben zusammengekommen. R. und ich waren damals 17, als wir zusammengekommen sind. Noch „Kinder“.
Ich denke ihr seid in einer guten Position: Du weißt was du willst. S. auch.

[17:09, 21.11.2018] Flora: Witzig ist, wie schnell man sich sicher seien kann. Ich hoffe alles klappt und weiss jetzt: Ich muss reden, damit es gelingt.

[17:10, 21.11.2018] Sarah: Kann mir gar nicht vorstellen, dass du dann schweigst. Ich kenne dich ja eher als offene Person. 

[17:11, 21.11.2018] Flora: Doch absolut. Ich bin auch sehr offen, kann aber schlecht sagen, wenn mich etwas stört, weil ich niemandem zu nahe treten will.

[17:11, 21.11.2018] Sarah: Ich denke ihr werdet das gut meistern – falls du Eigenarten an ihm entdeckst: die haben wir alle. Ich mach die Milchpackung nicht richtig zu… 

[17:16, 21.11.2018] Flora: Ich trinke meine Gläser nie aus und verstreue Klamotten in der Wohnung.

[17:17, 21.11.2018] Sarah: Das mit dem Glas mache ich auch. Finde ich süß. 

[17:17, 21.11.2018] Flora: Also vielleicht ein neuer Chat nach dem ersten halben Jahr Zusammenleben?

[17:17, 21.11.2018] Sarah: haha, gern. Bis denn meine Liebe

Eure Tipps und Meinungen

Nachdem ich meine Pläne mit euch auf Instagram geteilt hatte, trudelten tolle Tipps und Ratschläge für das Projekt #movingtogether bei mir ein – tausend Dank dafür. Hier eine Auswahl der besten und ehrlichsten Nachrichten.

Redaktioneller Inhalt
Freiwillige Verlinkung 

You Might Also Like

5 Comments

  • Svenja says: November 27, 2018 at 11:38 am

    Tolles Format – mehr davon!

    Reply
    • Flora says: November 27, 2018 at 6:24 pm

      Machen wir 🙂

      Reply
  • Doro says: November 27, 2018 at 6:18 pm

    Sehr schöner Artikel, liebe Flora! Magst du mal etwas zum Thema Dating&Co schreiben? Das stelle ich mir bei deinem Stil auch sehr erfrischend vor.

    Reply
    • Flora says: November 27, 2018 at 6:23 pm

      Danke <3
      Ja, das mache ich auf jeden Fall, ich habe einiges zu erzählen, haha.

      Reply
      • Doro says: November 28, 2018 at 11:41 am

        Ich bin schon ganz gespannt 😉
        <3

        Reply

    Leave a reply