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Akte-Ex | love stories in style

Sobald man ein gewisses Alter erreicht hat, ist man kein unbeschriebenes Blatt mehr. Man hat seine Erfahrungen in Sachen Liebe gemacht, hat viele grauenhafte und einige schöne Dates hinter sich und kann von Glück reden, wenn man sich aufrichtig und ehrlich verliebt. Denn Verliebtsein ist doch etwas Schönes, nicht wahr?
Worauf ich hinaus will ist, dass unsere vergangenen Beziehungen zu uns gehören. Sie prägen uns, lehren uns Gutes und Schlechtes und machen uns zu dem Menschen, der wir sind. Ich bin niemand, der Vergangenes einfach so abstreifen kann und obwohl ich gerne eine dieser ewig optimistischen und zukunftsorientierten Frauen wäre, muss ich zugeben, dass die Vergangenheit eine hohe Relevanz für mich hat. Meine erste große Liebe wird mich ewig prägen und ich trage sie bis heute, einige Jahre nach dem Schlussstrich, immer noch in meinem Herzen. Ich war schließlich nicht umsonst in jemanden verliebt, bin morgens glücklich neben ihm aufgewacht und habe jedes Wort, ob gesprochen oder geschrieben, in mir aufgezogen. Fakt ist, dass man mit Mitte Zwanzig Erfahrungen aus ersten Beziehungen mit in neue Beziehungen nimmt. Das ist auch nicht schlimm, ich finde man kann offen darüber reden, seinem neuen Partner von der alten Liebe erzählen – einfach so, weil es wichtig für einen ist. In meinem Bücherregal stapeln sich die Publikationen, die mir jemand geschenkt hat, der jetzt nicht mehr Teil meines Lebens ist. Schlimm? Ganz und gar nicht. Reliquien einer wunderbaren Zeit!
Schlimm wird es erst dann, wenn alte Beziehungen nicht ganz und gar abgeschlossen sind, wenn es keinen sauberen Schlussstrich gab. Wenn alte Beziehungen versuchen, neue Beziehung zu manipulieren und zu sabotieren, ihr die Luft zum Atmen nehmen, wird Vergangenes zum Bestandteil einer anstrengenden Gegenwart.

Sabotage ohne Wimpernzucken  

Als ich meinen jetzigen Freund kennenlernte, haben wir ziemlich schnell über unsere alten Beziehungen gesprochen. Zwar nur kurz, aber jeder wusste über die Vergangenheit des anderen bescheid. Offen und ehrlich, so wie ich es am liebsten mag. Noch in der Zeit, als wir nur hin und wieder miteinander ausgingen, ohne eine feste Beziehung eingegangen zu sein, bemerkte ich, dass meine Stories auf Instagram von seiner Ex-Freundin exzessiv konsumiert wurden. Klar, jede Frau ist neugierig, wer „die Neue“ ist, aber diese offensive, unverfrorene Art war mir auf den ersten Blick suspekt. Ja, unsympathisch.
Wankelmütig, wie ich bin, habe ich mir zunächst nichts dabei gedacht. Mein digitaler Fußabdruck ist ohnehin riesig und ich habe nichts zu verbergen. Wer wissen möchte, was ich mache, mit wem ich mich treffe und wie ich mich fühle, darf sich gerne die Schnipsel aus meinem Leben ansehen. Und dazu gehören auch Ex-Freundinnen. Unangenehm wurde die Geschichte erst eines Morgens.
Es war Frühling, es war Wochenende und ich saß an einem meiner Artikel. Wir waren gerade aus unserem ersten gemeinsamen Urlaub wiedergekommen, in dem wir uns prächtig verstanden haben. Die Zeit war wie ein Rausch. Geteilt habe ich viele Urlaubseindrücke auf meinem Instagram-Account. Meine Follower nahmen aktiv an unserem Urlaub teil, schickten mir Restaurant-Empfehlungen und freuten sich mit mir über die schöne Zeit. Merkwürdig fand ich lediglich eine Followerin, die überdurchschnittlich oft auf meine Stories reagierte und mich nicht subtil genug versuchte über meine Beziehung auszuhorchen. Irgendwann entwickelten sich ihre Nachrichten zu einem Running-Gag zwischen uns beiden und dann sagte mein Freund beiläufig „Oh Gott, das ist bestimmt meine Ex!“ Damals lachte ich über diese wilde Vermutung und ignorierte das komisches Bauchgefühl, das sich in mir breit machte.
Während des Morgens nach unserem Urlaub, bimmelte sein Handy unaufhörlich. Einmal, zweimal, dreimal…beim fünften oder sechsten Mal bin ich dran gegangen. Nach einer holprigen Begrüßung wurde mir offenbart, dass mein Freund mich nicht lieben würde und er außerdem gar nicht in meinem Bett liegen dürfe. Das Herz schlug mir bis zum Hals und ich legte auf. Obwohl ich auch über den Inhalt des Terroranrufs erschrocken war, war es ihre Stimme, die mich am meisten irritierte. Ich wäre mit Anfang 20 nicht in der Lage gewesen eine Lüge so selbstbewusst vorzutragen. Ihr Tonfall war so erwachsen, von sich eingenommen und ließ keinen Zweifel daran, dass es sich bei dieser Ex-Akte um ein überhebliches, höchst unangenehmes Ego handelt. Wenige Momente nach dem Anruf offenbarte sich die hartnäckige Followerin tatsächlich als Madame Selbstbewusst. Freaky af.
Auf diesen Morgen folgten weitere Attacken. Nicht nur mir, sondern auch meinem Freund gegenüber, verhielt sie sich wie eine offene Hose – so sagt man das bei uns im Bergischen. Wir wurden mit Hasstiraden, Drohungen und Beleidigungen konfrontiert und das auf allen erdenklichen Wegen. Die Ex-Akte war Teil unserer Gegenwart und mich zermürbte der Zustand immer mehr, denn es fordert einer jungen Beziehung viel Vertrauen und Offenheit ab, im ersten Jahr mit ständigen Attacken von außen umgehen zu müssen.
Irgendwann habe ich aufgehört neue, zwielichtige Accounts auf Instagram zu blockieren, denn zu einer Blockierung kommen mindestens zwei zur Beerdigung, wenn ihr versteht.

Stolz 

Mal abgesehen davon, dass ihr Verhalten höchst unschicklich war und mit meinem Verständnis von „Klasse“ überhaupt nicht übereinstimmt, habe ich mich in der Zeit am meisten über ihren Stolz, über ihren Respekt vor sich selber gewundert. Ich kann es verstehen, wenn man „die Neue“ im Internet stalkt, wenn man mit seinen Freundinnen über sie lästert und sie nicht leiden kann. Das ist menschlich. Ich kann auch verstehen, wenn man noch an seinem Ex-Freund hängt, wenn man traurig darüber ist, dass er in einer neuen Beziehung ist und dass man ihn vermisst. In all diese Szenarien kann ich mich hineinversetzen, aber offensiv zu versuchen eine Beziehung zu sabotieren ist stillos. Zu offenbaren, dass man versucht hat sich unter einer gefälschten Identität an „die Neue“ heranzuschleichen und sie auszuhorchen, ist peinlich. Noch schlimmer ist es beleidigend und ausfallend zu werden und so jegliche Form von Anstand über Bord zu werfen. Und absolut verwerflich ist es zu versuchen, seinen Ex-Freund mit eindeutigen Angebote zurückzugewinnen. Frei nach dem Motto: Vögeln kann ich auch.
All diese Attacken, Angebote und Aktionen von ihr haben mich sehr verletzt. Es ist nicht schön zu wissen, dass jemand dich so sehr hasst und versucht etwas, das dir heilig ist, zu zerstören. Nach vielen Tränen habe ich versucht härter zu werden und eine Barriere gegen diese Art von Terror aufzubauen.
Und wie habe ich versucht meinen Stolz während diesen Eskapade aufrecht zu halten? Ich habe auf keine Nachrichten reagiert, habe ihr gegenüber geschwiegen, alle Beleidigungen und Kontaktaufnahmen archiviert und viel mit meinem Freund und meinen Eltern gesprochen. Über Vertrauen, Ängste und Sorgen. Sich nicht provozieren zu lassen, ist nicht leicht, aber es hat meinen Stolz gerettet und ich würde es jeder Zeit wieder so machen.

Vertrauen und Vorsicht

Sicher ist, dass ich dieses Jahr nicht ohne Vertrauen überstanden hätte – oder besser gesagt, unsere Beziehung es nicht überstanden hätte. Wenn man seinem Partner und seiner Intuition nicht vertraut, ist man verloren. Geschickt eingefädelte Lügen können ganze Beziehungen, ja sogar Existenzen vernichten und dessen muss man sich bewusst sein. Obwohl ich diese Akte-Ex gerne nicht kennengelernt hätte, weiß ich jetzt wozu Frauen in der Lage sind. Ich weiß jetzt, dass manche Menschen auf die Gefühle anderer pfeifen, sich Druckmitteln bedienen, die ihnen nicht zustehen und jede Art von Selbstreflexion verloren haben. Ich bin vorsichtiger geworden, wem ich mein Vertrauen schenke und das war vielleicht schon längst überfällig.

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13 Comments

  • Yvonne says: Oktober 21, 2018 at 2:58 pm

    Oh man, du Arme! Das klingt nach einer Tortur….toll, dass du so ruhig darüber schreiben kannst und DICH nicht zu Beleidigungen hinreißen lässt. Hut ab!

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    • Flora says: Oktober 21, 2018 at 7:33 pm

      Danke für Deine Rückmeldung!

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  • Sarah says: Oktober 21, 2018 at 7:29 pm

    Wow, wie mutig von dir, liebe Flora! You are more than this <3

    Diese Ex-Akte hat einfach null klasse und ist ein total trauriges Exemplar Mensch. Ich glaube auch nicht, dass sie tatsächlich stolz ist, sondern das Internet nur als Deckmantel nimmt, um falschen Stolz zu heucheln.

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    • Flora says: Oktober 21, 2018 at 7:34 pm

      So true!

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  • Franziska says: Oktober 21, 2018 at 8:56 pm

    Für mich schreit das nach totaler Verzweiflung. Bleib stark, Flora!!!!

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    • Flora says: Oktober 21, 2018 at 9:39 pm

      Ich kenne auch keinen plausibleren Beweggrund für so ein Verhalten….

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  • Nina says: Oktober 22, 2018 at 7:35 am

    So ein Verhalten ist mir auch „offline“ nur allzu gut bekannt! Was haben (neidische?) Personen versucht meinen (jetzigen) Mann und mich auseinander zu bringen mit irrwitzigen Lügen über ihn. Ich musste lernen ihm zu vertrauen und diese „Freundinnen“ aus meinem Leben zu streichen. Tja und 12 Jahre später sind wir immer noch glücklich. Weil wir an uns geglaubt haben, und nicht den Neidern.

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    • Flora says: Oktober 22, 2018 at 12:17 pm

      Danke, dein Kommentar sendet Mut und Kraft!

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  • Carina says: Oktober 22, 2018 at 3:53 pm

    Liebe Flora, neben all dem Positiven, das bereits gesagt wurde (und dem ich absolut zustimme!) bin ich ein bisschen über den Satz „…weiß ich jetzt wozu Frauen in der Lage sind“ gestolpert – ich bin mir sicher, dass du es nicht bewusst so formuliert hast, aber ich finde es dennoch problematisch, das beschriebene Verhalten so eindeutig als „weiblich“ zu kennzeichnen – zumal auch Männer sich ähnlich verhalten können wie deine „Akte-Ex“… vielleicht kannst du „Frauen“ ja einfach durch „Menschen“ ersetzen 🙂

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    • Flora says: Oktober 22, 2018 at 6:07 pm

      Liebe Carina, da hast du Recht – danke für Deine Rückmeldung. Das ist unglücklich formuliert. Als ich den Satz schrieb dachte ich daran, dass ich immer darauf hoffe, dass besonders Frauen sich gegenseitig unterstützen sollten oder sich gegenseitig zumindest nicht das Leben schwer machen sollten.

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  • Sandra says: Oktober 25, 2018 at 9:26 am

    Ich kann deine Verunsicherung total verstehen. Wem oder was soll man glauben? Das ist verdammt schwierig. Finde deinen Umgang mit dem Problem sehr erwachsen.

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    • Flora says: Oktober 25, 2018 at 9:27 am

      Danke, Sandra!

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  • Johan says: Oktober 30, 2018 at 1:11 pm

    Entspann dich, Flora, dir kann doch eh keine etwas anhaben, Beauty!

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