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Sexting | love stories in style

Mein erster Beitrag der Kategorie „love stories in style“ ist ein Jahr her und bis heute der gefragteste Artikel auf toldme. Eine gestrige Umfrage auf Instagram hat gezeigt, dass ihr euch am meisten für meine Kolumnen interessiert und deswegen nutze ich diesen regnerischen Montag, um euch meine nächste zu liefern. Das Thema Dating, Liebe und Beziehungen bietet endlosen Stoff zur Diskussion. Nicht nur, weil zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Entwicklungen in diesen Bereichen hochinteressant sind, sondern weil jeder von uns eine andere Meinung zu diesen sehr persönlichen Themen hat. Kein Wunder, denn jeder von uns hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und unterschiedliche Ansprüche. So sei also vorweg gesagt, dass meine „love stories in style“ Kolumnen stets meine Sicht der Dinge widerspiegeln und die Erfahrungen verarbeiten, die ich gemacht habe.

Sexting als Lusttöter

Die Digitalisierung hat es möglich gemacht. Wir können zu jeder Zeit und an jedem Ort neue Menschen kennenlernen, mit ihnen schreiben, ihnen über Bilder oder Videos Schnipsel unseres Alltages zeigen und sie über Sprachnachrichten sogar an unsere Stimme gewöhnen. Über ein Smartphone eröffnet sich eine neue komplexe Biografie, die wir kennenlernen und verstehen wollen. Online-Dating ist toll, denn wir können Menschen treffen, die wir normalerweise nie getroffen hätten. Oder liegt gerade da das Problem? Durch die Flut an Menschen, die wir auf Dating-Apps kennenlernen können, treffen wir auch auf solche, die wir im realen Alltag direkt aussortiert hätten. Vielleicht weil wir ihre Ausstrahlung nicht mögen, uns ihre Augen nicht begeistern oder wir uns einfach nicht zu ihnen hingezogen fühlen.
Über ein Smartphone können eben nicht alle Faktoren, die ein glückliches Zusammentreffen zweier Menschen bestimmen, eingeschätzt werden. Ein weiterer, meiner Meinung nach bitterer Nebeneffekt des Online-Datings, ist die Verrohung der Gesellschaft. Jeder Zweite ist lediglich auf der Suche nach Sex, erhofft sich nach einigen Minuten Schriftverkehr intimste Bilder und meint zum Kennenlernen gehören Fragen, wie „Auf was stehst du denn so?“. Alles ist sexualisiert.
Ich will nicht mit einer fremden Person darüber sprechen, wie ich geküsst werden will, welche Unterwäsche ich trage oder wie man mich ins Bett kriegen kann. Unter dem Deckmantel der Anonymität des Internets scheinen solche Konversationen allerdings für viele normal geworden zu sein. Für mich ruiniert „Sexting“ den Zauber des Kennenlernens, die Spannung der ersten gemeinsamen Nacht und überhaupt: Seit wann ist es salonfähig geworden ein Bild seines Genitalbereichs ungefragt zu verschicken? Please don’t. Ich habe kein Interesse daran jemanden nackt zu sehen, dem ich noch nicht mal persönlich in die Augen geguckt habe.
Offen und frei über Sex reden zu können ist wichtig und Sex zu haben liegt in unserer Natur und ist etwas Wunderbares, aber warum ständig darüber schreiben? Obendrein mit einer fremden Person. Für mich unverständlich und der größte Lusttöter der Neuzeit.

Vorsichtige Annäherung

Also, wo ist der unschuldige Zauber der ersten Treffen geblieben? Die schönsten Dates sind doch die, bei denen man über alles zum ersten Mal spricht. Da werden Beobachtungen des Alltages zu aufregenden Erkundungen und Ausflüge in die eigene Schulzeit oder Erzählungen über die erste Liebe spannende Abenteuer. Natürlich gibt es auch die Treffen, in denen der Zauber direkt fasst und man innerhalb eines Abends alle Stimmungen eines Liebespaares durchlebt, die Nacht gemeinsam verbringt und morgens wieder seiner Wege geht. Das sind kurze, aber nicht weniger schöne Beziehungen, die eben nur zehn Stunden und nicht zehn Jahre dauern. Fest steht, dass für mich keine romantische Beziehung, egal wie kurz oder lang sie dauert, auf Sexting aufgebaut werden kann. Ein Dickpic ist keine Basis für eine romantische Beziehung. Zumindest nicht für mich.

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