Interior 2

Wohnträume kostengünstig in die Tat umsetzen

Ich bin ziemlich unvorbereitet in meine erste eigene Wohnung gezogen. Ich habe kaum Möbel besessen und auch kein Sparkonto für meine erste Inneneinrichtung gepflegt. Sparen war nie mein Ding und deswegen habe ich das Geld, das ich in meiner Jugend und meinem frühen erwachsenen Alter verdient habe, lieber für Schuhe und Taschen ausgegeben. Also bin ich mit Bett, ein paar Stühlen, einem Schreibtisch und vielen Kleinigkeiten, die ich auf Reisen gesammelt habe, ausgezogen.
In meiner Erinnerung habe ich den vergangenen Winter die meiste Zeit auf EbayKleinanzeigen verbracht, um nach Schnäppchen zu stöbern und mir meine ersten Möbelstücke kostengünstig zu organisieren. Ich habe jede Ausgabe für meine Wohnung aufgeschrieben und mich strikt an mein Budget gehalten. Das hat Nerven und Zeit gekostet, aber jetzt, nach einem Jahr, ist mein Loft zu einem Zuhause herangewachsen, in dem ich jedes Stück liebe. Wahrscheinlich wäre es einfacher die Dinge aufzuzählen, die ich neu gekauft habe, weil ich diese Stücke an einer Hand abzählen kann, doch heute will ich mich auf die SecondHand Schätze meines Zuhauses konzentrieren, um euch eine Vorstellung davon zu geben, wie günstig man an Designklassiker herankommen kann – ein bisschen Glück gehört natürlich dazu!

Das Esszimmer 

Viele Jahre habe ich von einem runden Tulpentisch mit vier Thonet Freischwingern darum geträumt. Diese Esszimmer-Gruppe habe ich in dieser Form in Hochglanzmagazinen, in den Esszimmern von Architekten und Künstler gesehen und sie immer als ideal empfunden. Schon einige Monate vor meinem Auszug habe ich vier der Designklassiker, die von Marcel Breuer erfunden wurden und von Thonet produziert werden, auf meiner liebsten App gefunden und bin für diesen Kauf gemeinsam mit meinem Vater quer durch Nordrhein-Westfalen gefahren, um mir vier Stühle zu einem Preis von 900 Euro zu sichern. Ja, heute reden wir über Geld!
In den Sphären von Thonet, in denen ein Stuhl neu etwa 780 Euro kostet, bedeutet das, dass ich über 2000 Euro sparen konnte, weil ich meine Traumstühle SecondHand gekauft habe. STRIKE! Obwohl ich einige Schätze durch intensives Stöbern gefunden habe, waren die Stühle der wohl beste Fund. Auch bei dem Tisch habe ich versucht ein Schnäppchen zu machen, aber diesen spezifischen Wunsch konnten mir die Weiten des Internets leider nicht erfüllen – also eines der Teile, die ich neu gekauft habe.

Das Wohnzimmer

Vor etwa zwölf Jahren habe ich mich bei Ikea in die Sofa- und Sessellinie „Arild“ verliebt. Damals sagte ich zu meiner Mutter „Dieses Sofa will ich unbedingt mal haben.“ Mir gefielen die einfachen Linien, das dicke genarbte Leder und die Weichheit, die sich nach ein bisschen Einsitzen einstellt. Wenige Jahre nach diesem Satz hörte Ikea auf mein Traumsofa zu produzieren und so machte ich mich auch in diesem Fall auf die SecondHand-Jagd. Den schwarzen Dreisitzer fand ich relativ schnell für unschlagbare 250 Euro, die dazugehörige Ottomane erst kürzlich. Ich habe zeitlose Klassiker in hoher Qualität für einen Spottpreis ausfindig gemacht und immer, wenn ich mich auf meine Couch fallen lasse, erfüllt mich ein Gefühl von Stolz. So macht Wohnen Spaß!
Über ein schwarzes Ledersofa gehört moderne Kunst. So haben es mir meine Eltern vorgelebt und so wollte ich es immer haben. Die riesige weiße Wand in meinem Wohnzimmer verlangte ein großformatiges Kunstwerk. Etwas Abstraktes, eine matte Leinwand, die atmet, das Auge nicht ablenkt und sich trotz ihrer Präsenz zurücknimmt. Im New Yorker MoMA (Museum of Modern Art) hat mich Pollocks „Number 31“ in seinen Bann gezogen. Ich hatte gehofft eine gute Reproduktion des Kunstwerks zu finden und war bereit meine letzten Kröten für diese auszugeben, aber nichts. Alles, was ich gefunden habe, waren poplige Poster, winzige Drucke von schlechter Qualität. Nein, danke. Mit der Unterstützung meines Vaters habe ich eine Leinwand selber gebaut sowie Lacke und Holzstäbe, zum Aufschlagen der Farbe, im Baumarkt gekauft. Und so rührten meine Mutter und ich die Farben, Gelb, Schwarz, Grau, Weiß, Creme, Grün und Braun, auf und träufelten, schlugen und schleuderten sie auf die zwei mal 1,20 Meter große Leinwand. Die Produktion des Bildes war fabelhaft. Sie hat mich frei gemacht und jetzt, einige Monate später, habe ich Lust noch eins oder noch viele weitere Bilder anzufertigen.
Genau, wie von einem schwarzen Sofa, habe ich auch immer von Marimekko-Kissen in meinem Wohnraum geträumt. Die finnischen Muster sind meine Definition von zeitloser und skandinavischer Gemütlichkeit, aber auch hier musste ich auf mein Budget achten. Ich habe deswegen keine fertigen Bezüge bestellt, sondern Stoffe gekauft und daraus vier Kissenbezüge nähen lassen. Ein persönlicher Prozess, der Spaß gemacht hat.
Relativ neu in meinem Wohnzimmer ist außerdem der Couchtisch im Design von Paolo Piva. Ich habe lange auf einen Couchtisch verzichtet, weil ich nichts Passendes finden konnten, aber dieses Schätzchen verkaufte mir ein Nachbar, der umgezogen ist. Eine glückliche Fügung.

Alte Möbel revitalisieren 

Ich bin ein Nachhaltigkeits-Freak. In meiner Küche wird nichts weggeschmissen, ich habe Pullover im Schrank, die älter sind als ich gerne zugebe und genau aus diesem Grund habe ich auch die alten Sessel und Stühle, die ich von meiner Nachbarin erbte, in meine Wohnung integriert. Brüchige Stellen wurden geleimt, Flecken abgeschliffen und die Polster neu bezogen. Das klassische 60er-Jahre-Design passt gut zu meinen anderen Möbeln und immer, wenn ich die Möbelstücke betrachte, denke ich an die fidele Dame, die mir diese Stücke vermacht hat.

Fotos und Text: Flora Treiber

Redaktioneller Inhalt. Freiwillige Markennennung. 

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2 Comments

  • Jana says: Oktober 25, 2018 at 3:32 pm

    Du wohnst so schön, liebe Flora. Es macht Spaß davon zu lesen wie Du zu all Deinen Schätzen gekommen bist bzw. wie sie Dich gefunden haben. Ich freue mich auf mehr davon. Alles Liebe, Jana

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    • Flora says: Oktober 25, 2018 at 5:23 pm

      Liebe Jana,
      vielen Dank für deine Wort, freue mich sehr darüber 🙂

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